Die Geschichte der Friedhöfe in Werischwar

(II. Teil)

Der neue Friedhof

Der neue Friedhof liegt an der Csobán-kaer Gasse, am Rande der Stadt. Obwohl er im Besitz der Gemeinde ist, wurde die Einsegnung unter der Bedingung, dass der eine Rand für die Andersgläubigen mit einem kleinen Graben oder mit einer niedrigen, grünen Hecke abgesondert sein soll, vom Bischof zugelassen. Dieser Teil durfte nämlich nicht geweiht werden. Das Einsegnen fand am 29. Oktober 1922 statt. Von diesem Zeitpunkt an werden die Toten von Werischwar hier begraben.

Das Aussehen des neuen Friedhofs

Gleich vor dem Eingang steht ein Mar-morkreuz mit folgender Inschrift:

O Süßer Namen Jesu!
Dein gnadenreiches Herz
Erquicket meine Seele
Und lindert meinen Schmerz
Wen ich nur an Dich dencke
Bekom[!] ich frischen Muth,
Das mich mein Herz im Leibe
So gleich aufheitern thut!

Dieses Denkmal setzten zur Ehre Got-tes Andreas Iflinger und Maria Pfeiffer, im Jahre 1892.
In der Mitte des Friedhofs steht auch ein Kreuz aus Kunststein. Dieses wurde 1901 von Johann Peller und Katharina Keppler gewidmet und vor einem Monat von den Nachfolgern erneuert.

Wahrscheinlich standen die Kreuze auch schon im alten Friedhof. Sie werden heute von älteren Frauen gepflegt und Menschen, deren verstorbene Angehörige irgendwo anders begraben sind, bringen regelmäßig Blumen hin und zünden hier Kerzen an.

 

Im Jahre 1930 wurde im Friedhof auch eine Totenkammer, bzw. eine Leichenhal-le gebaut (der Baumeister war Matthias Schön), die aber erst nach dem zweiten Weltkrieg in Anspruch genommen wurde. Bis dahin sind die Toten bis zur Bestat-tung im Haus aufgebahrt worden.

Wie es vorgeschrieben ist, ist der Friedhof in Parzellen und eine Parzelle ist in Reihen aufgeteilt. Sowohl die Reihen als auch die Gräber sind mit arabischen Zahlen numeriert. Wenn man vom Ein-gang in den Friedhof geht, sieht man eine breitere Straße vor sich.

Dieser Straße entlang, auf der rechten und linken Seite findet man die ältesten Grabsteine.
Wie auch im Leben, gab es auch auf dem Friedhof eine gewisse Hierarchie, nach der die Verstorbenen begraben wurden. Die Ordnung des Friedhofs erfolgte früher nach verschiedenen ungeschriebenen Regeln. Die Anordnungsprinzipien wurden vom Alter, vom Familienzustand (ledig, verheiratet, verwitwet) und vom Status des Verstorbenen bestimmt.

Das machte das Bild des Friedhofs übersichtlich, verhinderte aber zugleich, dass die Verstorbenen einer Familie in ein gemeinsames Grab beigesetzt wurden. Demzufolge sah der Friedhof folgendermaßen aus:

Kinder wurden ganz unten auf der linken Seite begraben. Ihnen folgen, wenn man nach oben kommt, die Ledigen. Auf der rechten Seite hatten dann die Verheirateten und die Witwen Platz. Angeblich hat man immer eine Reihe angefangen und danach die anderen Toten daneben begraben.

Da Familiengräber nicht erlaubt waren, kam es nicht selten vor, dass die Familien-mitglieder weit voneinander begraben wurden. Leider ist heute diese Aufteilung des Friedhofs wegen der inzwischen gestatteten Familiengräber nicht mehr so richtig festzustellen.

Der Friedhof wurde mit der Zeit aber zu klein, und deshalb Ende der 70er Jahre nach rechts erweitert. Die Kinder liegen ungefähr in der Mitte dieses neueren Teils. Ganz am Rande gibt es Grüfte, vor allem für die Romas. Zwischen dem neue-ren und dem älteren Teil nach unten liegen die geistig Behinderten.

In der letzten Zeit wurde das Gebiet noch mehr erweitert, diesmal nach links. Hinter der Leichenhalle wurden am Ende der 90er Jahre neue Straßen eröffnet.

Spuren der Abgrenzung von Selbst-mördern und Andersgläubigen sind heute nicht mehr zu finden, obwohl sie nach verschiedenen Angaben nur am Rande des Friedhofes, in nicht geweihtem Boden begraben werden durften.

Wie bereits erwähnt, spielte bei den Bestattungen auch der soziale Status eine Rolle. So wurden ganz vorne, unmittelbar an der Straße die reicheren, vornehmeren bzw. wichtigeren Leute begraben. Man findet dort mehrere Krypten, besser gesagt, eher kryptenförmige Grabsteine. So z.B.: die Gruft der Familie Nieder-müller, in der das Familienoberhaupt ein Lehrer war, die Grüfte der Familien Bánóczy, Gáger, Guth, Heinrich, Kõváry, Lieber, Rosner und Szathmáry. Am Haupteingang liegt auch ein Arzt, Gusz-táv Weinek. Man findet hier auch Grab-steine von Leuten, die vor kurzem gestorben sind, aber für die Stadt viel getan haben (z.B.: Georg Hidas). Ob das nur ein Zufall ist oder nicht, weiß man nicht.

Hinter dem Kreuz, in der Mitte liegen in einem abgesonderten kleinen Teil Pfarrer und eine Nonne.

Weiter unten finden wir auf der linken Seite das Grab der in den beiden Welt-kriegen gefallenen ungarischen und deutschen Soldaten. Das Denkmal wurde 1993 von der Veteranen und Reservisten Kameradschaft Gröbenzell (Partnerstadt), bzw. vom Kameradenkreis Salzburg aufgestellt. Die Namen der gefallenen Sol-daten werden auf der rechten und linken Seite des Denkmals aufgezählt, aber auch auf die namentlich unbekannten Kamera-den wird Bezug genommen.

Aus dieser Beschreibung geht deutlich hervor, dass der heutige Friedhof kaum ein einheitliches Bild aufweisen kann. Leider ist nur ein Bruchstück der deutschen Grabsteine mit ihren wunderschönen Grabinschriften erhalten geblieben. Auf der Mehrheit der Grabsteine ist nur eine ungarische Inschrift mit den wichtigsten Angaben zur Person zu finden.

Ibolya Sax

 

 


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