
Die Geschichte der Friedhöfe
in Werischwar
Der Friedhof bezeichnete ursprünglich den Vorhof der Kirche, der mit kirchli-cher Weihe zur Begräbnisstätte wurde. Der Friedhof wurde an das Wort Frieden angelehnt, weil der Begräbnisplatz als ein Ort des Friedens empfunden wurde.
In den ersten Zeiten wurden die Toten auch in Werischwar in der unmittelbaren Nähe der Kirche, im Kirchhof begraben. Diese Form der Beerdigung ist heute noch in vielen deutschen und öster-reichischen Ortschaften der Fall. Neben den örtlichen Eigentüm-lichkeiten richteten sich aber die Lage und das Aussehen der Friedhöfe und die Beerdigungs-bräuche auch nach staatlichen und kirchlichen Verordnungen. In den nächsten Absätzen werden die Wichtigsten behandelt.
In Ungarn wurde die Lage des Friedhofs zum ersten Mal durch eine Verordnung im Jahre 1775 geregelt. Demnach sollten die Friedhöfe, die sich in der Nähe der Häuser und der Kirchen der Städte und Dörfer befanden, an den Rand der Siedlungen ver-setzt werden. Die nicht zugleich verstorbenen Familienmitglieder durften nicht in ein gemeinsames Grab beigesetzt werden. Diese Verord-nung konnte aber nur langsam vollzogen werden. Es dauerte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts.
1876 wurde eine noch wesentlichere Regelung herausgegeben. So durfte man auf dem Friedhof um die Kirche die Toten nur mit der Erlaubnis der zuständigen Behörde begraben. Außerdem wurde auch auf das Aussehen eines Friedhofs Bezug genommen. Nämlich: um die Gräber herum musste man einen kleinen Weg bauen und die Gräber in Reihen ordnen.
In den verschiedenen Ortschaften wurde die Verlegung der Friedhöfe aus dem bewohnten Teil bis 1970 beendet.
Der alte Friedhof
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In Werischwar gab es mehrere Fried-höfe. Angeblich erfolgte die Beerdigung der Toten bis zum Jahre 1775 auf dem Kirchhof. Danach wurde ein Friedhof an einem unbewohnten Teil von Werischwar, entlang der internationalen Hauptstraße eröffnet. Dies befand sich ganz genau an der rechten und linken Seite der heutigen Solymárer Gasse. Es war vorgeschrieben, dass der Friedhof mit Graben und Hecke umzäunt werden muss.
Dieser Friedhof wurde in zwei Teile, in einen älteren und in einen neueren geteilt. Laut der kirchlichen Dokumente wurde seit 1868 nur ein Viertel des älteren Fried-hofs zu weiteren Bestattungen benutzt. In diesem Teil hörte man mit der Beerdigung im Jahre 1892 auf. Im vorhin genanten größeren Teil gab es viele unge-pflegte Grabstätten und baufällige Grabsteine, einige wurden sogar weg-getragen. Der Friedhof war auch nicht umzäunt, also der Friedhofscharakter be-stand mit der Zeit nicht mehr. Außerdem geht aus den verschiedenen Meldungen hervor, dass der sich im vernachlässigten Zustand befindende Friedhof das Bild der Gemeinde verdarb. So beschäftigte sich das Kirchenamt mit der Liquidierung dessen.
Im neueren Teil beerdigte man die Toten dagegen bis zum 1. November 1923. In diesem neuen Friedhof pflegte man die Gräber Jahrzehnte lang.
Viele erinnern sich noch daran, dass Landstreicher nachts regelmäßig Kisten und Körbe von dem Postwagen, der auf der Wiener Hauptstraße fuhr, abschnitten. Diese Kisten und Körbe schleppten sie dann auf den Friedhof an der Straße, und versteckten sie in alten, eingefallenen Grüften. In der Nacht oder am nächsten Tag schafften die Diebe die Waren dann weg. Die dadurch zugrundegegangene Gruft des Arztes Dr. József Lux, war sogar noch in den 30er Jahren zu sehen.
Anfang der 30er Jahre wurde in einem Teil des alten Friedhofs der Friedhofs-charakter aufgehoben und das Gebiet zum Abwirtschaften versteigert und parzelliert. Die gefundenen Knochen sollten gesammelt und im neuen Friedhof an der Csobánkaer Straße in einem gemeinsamen Grab beigesetzt werden. Diejeni-gen, die nach 1892 begraben worden waren, konnte man exhumieren lassen. Sie wurden in einem anderen Grab des neuen Friedhofs begraben.
Da im neueren Teil des alten Friedhofs seit der Eröffnung des neuen Friedhofs, der den Vorschriften entsprechend 200 Meter weit vom bewohnten Gebiet lag, keine Bestattungen mehr stattfanden und er sich in einem schlechten Zustand befand, beschäftigte man sich 40 Jahren später mit der Aufhebung auch dieses Friedhofsteils. Anfang der 60er Jahre wurde der Friedhof an die Gemeinde verkauft und auf seinem Gebiet stehen heute verschiedene Institutionen: Kinder-garten, Ladengeschäfte, Markplatz und Häuser. Viele Toten wurden exhumiert und ein Teil der Grabsteine wurde auch im neuen Friedhof aufgestellt. Die Mehrheit der Grabsteine wurde aber von den Familienangehörigen nach Hause getragen und mit der Zeit zu anderen Zwecken verwendet.
(Ende des I. Teils)
Ibolya Sax
Fényképek:
1. Régi, német feliratú sírkõ
2. A régi temetõ a Solymár utcában
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