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IX. évfolyam 7. szám 2009 július
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Interview mit Herrn Gregor Sommer, Bürgermeister von Wehrheim

– Sehr geehrter Herr Bürgermeister Som-mer. Sie waren aus Anlass des 25. Jubiläums der Partnerschaft zwischen Wehrheim und Werischwar ein langes Wochenende in Un-garn zu Gast. Sicherlich haben Sie sich dabei nicht nur mit den Augen einer Privatperson, sondern auch mit denen eines Bürgermeis-ters umgeschaut. Sehen Sie seit ihrem letz-ten Aufenthalt in Ungarn hier in Werisch-war irgendeine Veränderung?
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Gregor Sommer köszöntő beszédet mond a májusi partnerkapcsolati ünnepségen
(Fotó: F. A.)

– Ja, ich habe sehr wohl positive Verände-rungen feststellen können. Ein Teil der Straßen in Werischwar war in einem sehr guten Zustand, das Schiller-Gymnasium wurde weiter ausgebaut und präsentiert sich in hervorragender Weise für Werischwar. Durch die weltweite Wirtschaftskrise gibt es natürlich auch Einschnitte, die sich auch auf die finanzielle Situation in Werischwar aus-wirken und Investitionen in Zukunftspro-jekte wie z.B. die Fertigstellung des Kultur-hauses leider negativ auswirken.

– Selbstverständlich ist es klar, dass Wehrheim – auch auf Grund einer viel länger bestehenden Autonomie als auf wel-che Werischwar zurückblicken kann – ganz andere Möglichkeiten besitzt als unsere Stadt, doch möchten wir Sie trotzdem danach fragen, welche Ratschläge und Ideen Sie unserer Stadt geben könnten.

– Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass es mir einfach nicht zusteht, irgendwelche Rat-schläge zu geben. Jede Kommune entwickelt sich so, wie es die Möglichkeiten hat. Wichtig ist, dass die Kommunikation unter den Parteien geführt wird und auch sachbezogen diskutiert und letztlich Lösungen für Ideen gefunden und wichtige Projekte gemeinsam umgesetzt werden. Nur wenn alle im politi-schen Stadtrat gemeinsam handeln, wird sich dies auch positiv auf die Entwicklung von Werischwar auswirken. Ideen sollten von den Ratsmitgliedern aus Werischwar eingebracht und nach Wichtigkeit und finanzieller Mög-lichkeit in einer Art „Prioritätenliste” umgesetzt werden (z.B. Straßenbau, Kanalsanie-rungen, Trinkwasserversorgung, Straßenbe-leuchtung, Sanierung öffentlicher Gebäude, Zusammenarbeit mit der Freiwilligen Feuer-wehr und den Vereinen).

– Auf der Website Ihrer Gemeinde haben wir über das „Wehrheimer Modell” gelesen, bei dem Bauplätze der Gemeinde an junge Familien zu Preisen unterhalb des Markt-niveaus abgegeben werden. Ist die Inan-spruchnahme der Vergünstigung auf Wehr-heimer Bürger beschränkt?

– Das Wehrheimer Modell ist ein Erfolgs-modell in unserer Kommune und wird partei- und fraktionsübergreifend umgesetzt. Weit über 150 junge Familien haben sich ihren Traum vom eigenen Wohnhaus erfüllen können. Außer jungen Familien aus Wehrheim selbst, greift das Modell auch bei Menschen, die in Wehrheim beschäftigt sind, d.h. von außerhalb nach Wehrheim zur Arbeitsstelle kommen. Dies hat den Vorteil, dass dadurch auch eine Entlastung der Menschen im Bereich der hohen Fahrzeugkosten erfolgen kann, da die Menschen ihren Arbeitsplatz am Wohnort haben. Außerdem bekommen die Interessenten nach dem Wehrheimer Modell noch Zuschüsse für den Einbau von Regen-wassernutzungsanlagen, vom Staat gibt es Zuschüsse für den Einbau von Solaranlagen usw. Mit der bevorzugten Vergabe von Grundstücken an junge Familien kann er-reicht werden, dass sich der sogenannte demografische Wandel (die Menschen werden älter und die Geburten werden immer weniger) verlangsamt, wenn nicht sogar gestoppt werden kann. Durch die Schaffung von Baugrund für junge Familien sind auch wieder mehr Kinder in den Kindertagesstät-ten und im Schülerbetreuungszentrum, was sich positiv auf das Leben in unserer Ge-meinde auswirkt.

– Mit welchen Verpflichtungen ist der Erhalt solch eines günstigeren Bauplatzes verbunden?

– Ja, es sind auch Verpflichtungen damit verbunden. So darf das Grundstück ab dem Tag des notariellen Kaufvertrages auf die Dauer von 15 Jahren nicht weiterverkauft werden. Hierzu ist eine Absicherung im Grundbuch zugunsten der Gemeinde Wehr-heim eingetragen. Diese Absicherung trägt dazu bei, dass niemand mit Gewinn das Grundstück nebst Haus auf dem freien Markt in den folgenden 15 Jahren veräußern kann.

– Welche Auswirkungen hat die Welt-wirtschaftskrise auf ihre Gemeinde?

– Die Wirtschaftskrise hat auch massive Auswirkungen auf unsere Gemeinde. Nach den derzeitigen Prognosen fehlen der Ge-meinde Wehrheim am Ende des Jahres 2009 rund 10 % an Einkommensteueranteilen und auch rund 10 % an Gewerbesteueranteilen. Ich gehe sogar negativ davon aus, dass sich die Einbußen auf rund 30 % erhöhen könn-ten. Dies wiederum hat massive Auswirkun-gen auf den laufenden Gemeindehaushalt und die Finanzierungsfähigkeit der Kom-mune. Auch die Investitionen, die für 2009 und Folgejahre vorgesehen sind, werden neu überdacht werden müssen. Viele Menschen stehen derzeit in Kurzarbeit bei ihren Arbeit-gebern. Insbesondere die gesamte Automobil-branche und dazu gehören auch die Zulie-ferfirmen sind unwahrscheinlich stark von den Entlassungen und der Kurzarbeit betroffen. Ich persönlich gehe auch davon aus, dass sich die Weltwirtschaftskrise auch noch in 2010 und möglicherweise 2011 negativ auswirken wird.

– Wenn Sie privat länger in Ungarn hätten bleiben können, was hätten Sie sich gerne angesehen?

– Sehr gerne hätte ich mehr Zeit in Ungarn verbracht um die Hauptstadt Buda-pest noch besser kennen zu lernen, aber auch intensivere Gespräche mit den Freunden in Werischwar zu führen, über die politische Situation zu sprechen, Lösungsmöglichkei-ten für Projekte zu diskutieren usw.

Mit großer Freude haben wir beim Jubi-läum der Werischwarer Musikanten und 25-jährigen Freundschaftsjubiläum zwischen Werischwar und Wehrheim durch Zufall junge Menschen im Festzelt getroffen, die vor einigen Jahren ein 3-wöchiges Berufsprak-tikum in Wehrheim durchgeführt haben und bei uns zu Hause zu Gast waren. Freund-schaft verbindet und sehr gerne hätte ich mit meiner Familie diese privaten Kontakte intensiviert. Aus Zeitgründen war dies leider nicht möglich. Auch habe ich große Teile Ungarns bis heute noch nicht gesehen, so z.B. den Plattensee. Aber ich komme mit meiner Familie sicherlich wieder nach Ungarn und auch nach Werischwar. Die Gastfreund-lichkeit der Menschen in Werischwar ist wundervoll und ich bin sehr dankbar, dass ich mit unseren Freunden die 25-jährige Freund-schaft feiern durfte. Herzlichen DANK!

– Wir danken Ihnen für das Interview!

Márta Müller – Gábor Kerekes

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