Ungarndeutsche Dichterproträts:
Franz Zeltner
Franz Zeltner (1911-1992) gehörte zu der so genannten ‚älteren’ Generation der ungarn-deutschen Autoren. Er stammte aus einer alten Brennberger (Brennbergbánya, in der Nähe von Ödenburg [Sopron] liegend) Fami-lie, deren männliche Angehörige traditionell schon seit Generationen im Bergbau arbei-teten. Er selbst konnte nicht Bergmann werden, da er bei einem Unfall die Sehkraft des einen Auges einbüßte.
Es besuchte die Schule und begann in Ödenburg an der deutschen Lehrerbildungs-anstalt seine Ausbildung, die er aber 1926 ab-brechen musste, da die Familie auf Grund der durch Streiks, Entlassungen und Arbeits-losigkeit im Bergwerk unsicher gewordenen Lage in der Hoffnung auf ein besseres Leben ins asiatische Kirgisien ging.
Die Hoffnungen erfüllten sich nicht, 1929 kehrten sie heim und Franz Zeltner machte eine Lehre als Kaufmann und Drogist, nach der er 35 Jahre hindurch im Brennberger Bergarbeiterlebensmittelkonsum bis zur Schließung des Bergwerks war. Danach arbeitete er eine kurze Zeit als Wirt, dann auch als Magazinleiter beim Tischler- und Tapezierinstitut für Taubstumme in Ödenburg. Die letzten anderthalb Jahrzehnte lebte er als Rentner in seinem Heimatort.
Als ungarndeutschen Autor nahm man ihn das erste Mal mit seinem Gedicht „Leut, Sautanz ist heut!” wahr, das in der 1974er ungarndeutschen Anthologie „Tiefe Wur-zeln” erschienen war und einen Sonderpreis der „Neuen Zeitung” erhalten hatte. Er, der schon während der frühen Schulzeit sich lite-rarisch versucht hatte, wurde jetzt, mit 62 Jahren zum Schriftsteller.
Angesichts der Anerkennung, die sein Gedicht gefunden hatte, schrieb er nunmehr regelmäßig, undzwar sowohl in Hochdeutsch als auch in der Mundart. Seine Texte finden sich in den ungarndeutschen Anthologien „Tiefe Wurzeln”, „Bekenntnisse - Erkennt-nisse”, „Igele - Bigele”, „Jahresringe”, „Tie Sproch wiedergfune” und „Bekenntnisse eines Birkenbaumes”.
Einen eigenen Band mit literarischen Werken von ihm gibt es bis auf den heutigen Tag nicht, doch veröffentlichte die Litera-rische Sektion des Demokratischen Verbandes der Ungarndeutschen im Jahre 1985 den 71 Seiten starken „literarischer rundbrief” Nr.5 „Ich bin nur, wie ich bin” mit den gesammelten Gedichten von Franz Zeltner und beigefügt mit der 200jährigen Geschichte des Brennberger Bergwerkes.
Typisch für die Texte von Zeltner ist ein direkter, manchmal ironischer, jedoch immer ehrlicher Ton.
Für uns heute mögen einige Bemerkun-gen aus seinem Mundartgedicht über das Fernsehen immer noch aktuell sein. Unter anderem heißt es da:
„Sie moana, s Fernsehn hotts gmocht,
wenn ollerlei gschiacht bei der Nocht.
I glaub bold a scho, s is wo woas dran.
An jedm Obend Tatort, Mord,
Und Tog für Tog geht s Schiaßn fort.
Daß ichs scho nimmamehr hören kann.
Wennst a so denkts, denn sei nit dumm,
moch d Kisten aus, drah s Knöpferl um,
So bist das beste Publikum.”
Dr. Kerekes
Der Monat „Mai”
Er ist in unserem heute gebräuchlichen Kalender, dem gregorianischen Kalender, der fünfte Monat des Jahres, hat 31 Tage und hat der Überlieferung nach seinen Namen von der griechischen Fruchtbarkeits-göttin Maia bzw. von Iupiter Maius, dem römischen Gott des Frühlings und des Wachstums erhalten. Im römischen Kalen-der war dies noch der dritte Monat.
Bekannt ist der Mai auch unter den Namen „Wonne-mond”, „Blumenmond” und „Marienmond”.
Die Bezeichnung „Wonne-mond” ist im 8. Jahrhundert von Karl dem Großen eingeführt worden, hat aber nichts mit dem heutigen Wort „Won-ne” zu tun, sondern bedeutete soviel wie „Weidemonat”, da man in diesem Monat das Vieh erneut auf die Weide hinaustreiben konnte.
„Blumenmond” wird dieser Monat deshalb genannt, weil zu dieser Zeit viele Pflanzen ihre Blüte erleben.
Da im katholischen Kir-chenjahr der Mai besonders der Verehrung der Jungfrau Maria gewidmet ist, nennt man den Monat auch „Marienmond”.
In den deutschsprachigen Ländern ist am zweiten Sonn-tag im Mai der Muttertag, in Ungarn am ersten.
Jeder Mai beginnt mit demselben Wochentag wie der Januar des folgenden Jahres, doch kein anderer Monat desselben Jahres beginnt mit demselben Wochentag wie der Mai.
Müller - Kerekes
Gesellschaft für deutsche Sprache e.V.
Die Gesellschaft für deu-tsche Sprache (GfdS) ist ein politisch unabhängiger Verein zur Pflege und zur Erforschung der deutschen Gegenwarts-sprache. Der Sitz der Gesell-schaft ist in Wiesbaden.
Die Gesellschaft bietet allen, die in sprachlichen Fragen Rat brauchen, Hilfe an. Zu Ihren Zielsetzungen gehört unter anderem die Förderung des Verständnisses für das Wesen, die Bedeutung und Leistung der Sprache. Darüber hinaus will die GfdS die deutsche Sprachgemeinschaft sowohl im In- als auch im Ausland anregen, sich mit der deutschen Sprache zu beschäftigen und das Sprachgefühl zu vertiefen.
Die Mitglieder des Vereins erhalten die Zeitschrift „Der Sprachdienst” kostenlos. Die Mitgliedschaft für ein Jahr kostet für Einzelpersonen 1.300 Ft, für Schüler und Studierende 800 Ft. Näheres über die Satzung und Veranstaltungen der Gesellschaft findet man auf folgender Website:
Der Zweigverein und der gewöhnliche Veranstaltungsort für Vorträge in Ungarn, ist das Germanistische Institut der ELTE (Budapest, Rákóczi út 5. PLZ: 1088; E-Mail: elte.germanistik@gmail.com).
Márta Müller
„Es ist bloß ein Spiel …”
9. Regionaler Deutschsprachiger Theatertag in Werischwar
In der letzten Aprilwoche fand in dem Theatersaal des hiesigen Kulturhauses „Mű-vészetek Háza” der 9. Regionale Deutsch-sprachige Theatertag in Werischwar statt. Das bunte Programm wurde von Frau Judit Lazri, Deutschlehrerin der Nationalitäten-grundschule am Marktplatz geschickt mode-riert, sie kündigte die einzelnen Produktio-nen an und sorgte für Hintergrundinfor-mationen über die einzelnen Ensembles.
In den Eröffnungsreden – gehalten von der Rektorin der Schule Gabriella Fogarasy, dem Bürgermeister István Gromon und dem Vorsitzenden der Minderheitenselbstverwal-tung, László Sax – wurde betont, dass das Theaterspielen für die Anwesenden mit Anstrengung, aber auch mit Freude verbunden sei, denn ein Theaterstück auf Deutsch einzustudieren koste viel Mühe und Aus-dauer, doch wenn man viel Arbeit in eine Sache stecke, dann finde man an derselben umso mehr Pläsier. In dem Pilisch-Becken besäße nicht nur das deutsche Wort, sondern auch das deutschsprachige Theater eine gewisse Tradition, denn in Werischwar habe man schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Laientheater gespielt.
Über dies hinaus hat Herr Sax noch hervorgehoben, dass neben den jungen Schau-spielern auch ihren LehrerInnen Dank gebühre, da ohne ihre behutsame Lenkung die aufgeführten Stücke erst gar nicht hätten entstehen können.
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Bürgermeister István Gromon, Vorsitzender der Minderheitenselbstverwaltung László Sax, Moderatorin Judit Lazri, Schulrektorin Gabriella Fogarasy eröffnen die Veranstaltung |
Im Anschluss an die Grußworte wurde die Jury vorgestellt, deren Vorsitz Frau Magdolna Sági-Sebők übernommen hat.
Auf dem Programm standen insgesamt 13 Theaterstücke, gespielt von den Jugendlichen aus den Schulen der Region: aus Perwall/ Perbál, Sanktiwan/Pilisszentiván, Sankt-lorenz/Pestszentlőrinc, Ofen/Óbuda, Iklad, Tarian/Tarján, Tscholnok/Csolnok und We-rischwar.
Das Programm wurde von den Gast-gebern, den Werischwarer Viertklässlern (Na-tionalitätenschule am Marktplatz) eröffnet, die unter der Leitung von Frau Gabriella Bihari, die Geschichte des bösen Wolfs – mit viel Herz, passendem musikalischen Hinter-grund und sehr schönen Kulissen – auf die Bühne gestellt haben: Der böse Wolf hat den armen Hasen Hoppel geschnappt. Daraufhin holt Kasperl bei einer alten Hexe Hilfe, die den Wolf in eine Maus verzaubert und dadurch wird Hoppel gerettet. Das Schau-spiel schloss mit einem Lied, gesungen von den jungen AkteurInnen und begleitet von einem Kreisspiel.
Zwar sind die Werischwarer im Theater-spiel sowohl was die Junior – als auch was die Seniorgruppen betrifft – denke man nur an die Ensembles Phantome des Theaters oder PaThalia – sehr erfolgreich, doch ging dieses Jahr der Pokal an die Iklader (Leiter der Theatergruppe: József Szilágyi), die ein sehr einfallsreiches Stück mit dem Titel „Das lebende Denkmal” aufgeführt haben: zwei Denkmäler werden von zwei kleinen Dieben weggetragen, damit sie aber vor den Fuß-gängern nicht auffliegen, müssen sie, als sie jemanden kommen sehen, in der Position ausharren, in der sie sich gerade befinden.
Die Geschehnisse des Theatertages summierend soll ein dickes Lobwort an alle Schüler und ein verbindlicher Dank an die Organisatoren und vorbereitenden Lehrer-Innen ausgesprochen werden, denn ein jeder hat am 25. April sein Bestes gegeben.
Besetzung des Schauspiels „Der böse Wolf” in alphabetischer Reihenfolge der Mitwirkenden:
Kovács, Márton: Erste Katze
Mogyorós, Dóra: Raabe
Nick, Szabolcs: Kasperl
Püspöki, Tünde: Hoppel, der Hase
Valachi, Sámuel: Maus
Vogyeraczky, Tamara: Zweite Katze
Wippelhauser, Gergő: Wolf
Wippelhauser, Virág: Hexe
Márta Müller
Aus der Sicht der Jury
Über Ihre Eindrücke, die sie als Mitglied der Theaterfestival-Jury im Verlaufe des 9. deutschsprachigen regionalen Theaterfesti-vals gewonnen hat, haben wir die gebürtige Werischwarerin, Frau Angelika Pfiszterer, Kulturreferentin der LdU und studierte Theaterpädagogin, befragt:
– Wer hat Sie ersucht, Mitglied in der Jury zu werden?
– Magdolna Sági-Sebők hat mich gebeten, in der Jury mitzuwirken.
– Mit welchen Erwartungen sind Sie zum Festival gekommen und mit welchen Eindrücken sind Sie nach dem Treffen nach Hause gefahren?
– Vor zwei Jahren war ich bereits in der erweiterten Jury tätig, damals mit meinen Kommilitonen von der Hochschule (zu denen auch Magdolna Sági-Sebők und Tímea Faragó gehören). Im Vergleich zum letzten Festival waren die Stücke besser, auch sprachlich gesehen. Ich möchte an dieser Stelle allen LehrerInnen danken, die sich die Mühe gemacht haben, ein Stück mit den Schülern auf die Bühne zu stellen und uns bei diesem Festival zu zeigen. Es bereitet mir immer viel Freude zu sehen, wie viel Enga-gement die Schüler und die Lehrer beim Theaterspielen zeigen.
– Haben Sie selbst Erfahrung auf dem Gebiet der Theater- und Dramenpäda-gogik?
– Ich habe im letzten Sommer mein Diplom im Fach Theaterpädagogik erhalten.
– Was denken Sie, welche Vorteile erbringt das deutschsprachige Schauspiel für die Schüler?
– Die Schüler können so spielerisch ihr Sprachwissen erweitern. Außerdem macht es ihnen sichtlich Spaß, auf der Bühne zu stehen.




