XVII. évfolyam 4. szám - 2017. április

Die offizielle Hymne der Ungarndeutschen

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

Zu feierlichen Anlässen, im Rahmen von Veranstaltungen der Ungarndeutschen – wie zuletzt in Werischwar zum Gedenktag an die Vertreibung – wird die Hymne der Ungarndeutschen gesungen. Sie gehört schon seit über zwei Jahrzehnten zu den Symbolen des Ungarndeutschtums, nachdem die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen am 9. Dezember 1995 beschloss, genau welcher Wortlaut und welche Melodie die Volkshymne darstellen sollen.

Der Beschluss sagt unmissverständlich aus: „Die offizielle Hymne der Ungarndeutschen ist das ‚Lied der Ungarndeutschen‘, dessen Text mit der ersten Strophe des gleichnamigen Gedichts von Dr. Ernst Imrich identisch ist, die Melodie stimmt hingegen mit der von Prof. Ludwig N. Hackl zu dem o.g. Gedicht komponierten Musik überein.“

Es gibt, wenn man sich im Internet die eine oder die andere ungarndeutsche Homepage ansieht, offensichtlich eine gewisse Verwirrung hinsichtlich des Textes des Hymne, denn mancherorts wird der gesamte Text der als Grundlage der heutigen offiziellen Hymne der Ungarndeutschen dienenden so genannten „Hymne der Donauschwaben“ zitiert. Dieser Gesamttext, in dem zu den Versen von Ernst Imrich Michael Albert die dritte Strophe beitrug, lautet in seiner Gesamtheit:

Seid gegrüßt ihr deutschen Brüder,
Wachet auf, es ruft die Zeit!
Laßt uns rühmen, laßt uns preisen,
Uns’res Volkes Einigkeit!
Wir sind eines Volkes Söhne:
Deutsche Sprache, deutsche Art,
Die die Väter hochgehalten
Haben treu wir uns bewahrt.

Ob wir in der Batschka wohnen,
In der schwäbischen Türkei,
Buchenwald und Schildgebirge
Unsre treue Heimat sei.
Ob das Grenzgebiet im Westen,
Ofner Bergland sei der Ort,
Werden niemals wir vergessen
Jenes schönes Dichterwort:

“Deiner Sprache, deiner Sitte,
Deiner Toten bleibe treu,
Steh’ in deines Volkes Mitte,
Was dein Schicksal immer sei!
Wie die Not auch droh und zwinge,
Hier ist Kraft sie zu besteh’n!
Trittst du aus dem heil’gen Ringe,
Wirst du ehrlos untergeh’n!”
Das ist deutschen Mannes Glaube,
Das ist deutscher Frauen Ehr,
Das ist deutschen Kindes Zierde
Das ist deutschen Volkes Wehr!
Deutscher Treue Lied erklinge
Rings im schönen Ungarland!
Schwabenvolk im Glück umschlinge
Ewig dich der Eintracht Band!

Betrachtet man die Strophen 2-4, so ergibt sich natürlich die Frage, warum sie nicht zur offiziellen Hymne dazugehören? Die Antwort hierauf erinnert an das Schicksal der Deutschen Nationalhymne und ihres Textes, August Heinrich Hoffmann von Fallerslebens Gedicht „Das Lied der Deutschen“, das er 1841 in patriotischer Stimmung dichtete.

Dieses Gedicht lautet:

Das Lied der Deutschen

Deutschland, Deutschland über alles,
Über alles in der Welt,
Wenn es stets zu Schutz und Trutze
Brüderlich zusammenhält,
Von der Maas bis an die Memel,
Von der Etsch bis an den Belt –
Deutschland, Deutschland über alles,
Über alles in der Welt!

Deutsche Frauen, deutsche Treue,
Deutscher Wein und deutscher Sang
Sollen in der Welt behalten
Ihren alten schönen Klang,
Uns zu edler Tat begeistern
Unser ganzes Leben lang –
Deutsche Frauen, deutsche Treue,
Deutscher Wein und deutscher Sang!

Einigkeit und Recht und Freiheit
Für das deutsche Vaterland!
Danach lasst uns alle streben
Brüderlich mit Herz und Hand!
Einigkeit und Recht und Freiheit
Sind des Glückes Unterpfand –
Blüh’ im Glanze dieses Glückes,
Blühe, deutsches Vaterland!

vorosvari-ujsag-2017-04-00071Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in der Bundesrepublik Deutschland keine offizielle Regelung hinsichtlich der Nationalhymne, doch auf Bundeskanzler Konrad Adenauers Initiative hin wurde bei staatlichen Anlässen nur die dritte Strophe gesungen. Auf das Singen der ersten Strophe wurde aus diplomatischen Gründen verzichtet, weckte doch das „Deutschland, Deutschland über alles“ unangenehme Assoziationen in den Nachbarländern der Bundesrepublik und die im Text aufgezählten Flüsse waren zu dieser Zeit allesamt nicht mehr auf dem deutschen Staatsgebiet zu finden. Die Beibehaltung dieser Namen hätte durchaus so verstanden werden können, als ob die Bundesrepublik Anspruch auf die inzwischen zu anderen Staaten gehörenden Gebiete anmelden würde. Die zweite Strophe wurde vermutlich aus dem Grunde weggelassen, weil sie nicht zu den Sternstunden der deutschen Lyrik gehört. Erst seit 1991, seit der Verkündung im „Bundesgesetzblatt“, ist die dritte Strophe als Text der deutschen Bundeshymne auch als offiziell festgelegt anzusehen. (In den 1980er Jahren wählte man bei offiziellen Anlässen zumeist die Variante, nur die Melodie der Hymne – ohne Gesang – erklingen zu lassen.)

A vörösvári német nemzetiségi ünnepségek egyik szép eleme a magyarországi németek himnuszának eléneklése. Miről szól a himnusz alapjául szolgáló vers többi versszaka? Miben hasonlít a himnusz a németek himnuszához, és a német himnusznak vajon miért csak a harmadik versszakát szokták elénekelni? A cikk ezekre a kérdésekre ad választ.

Die Ähnlichkeit in den Überlegungen hinsichtlich des Textes der Hymne der Ungarndeutschen und der deutschen Bundeshymne besteht darin, dass – ganz bedacht und richtig – die Landesselbstverwaltung auf die zweite Strophe der „Hymne der Donauschwaben“ verzichtet hat, da die in ihr vorkommende Batschka heute nur noch zu einem kleineren Teil zu Ungarn gehört. Der Gebrauch dieses geographischen Begriffs könnte unerwünschte Irritationen verursachen, die niemand, allen voran die Ungarndeutschen nicht benötigen. Strophe 3 und 4 sind sicherlich aus zwei Gründen unbeachtet geblieben: Einerseits könnte man über sie das gleiche sagen, wie über Strophe 2 des „Liedes der Deutschen“ – dass man nämlich über ihre dichterische Qualität streiten könnte –, andererseits aber besitzen diese Strophen einen historisch nachvollziehbaren, angesichts der Entstehungszeit Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts verständlichen wehrhaft-martialischen Unterton („droh“, „zwinge“, „untergeh’n“, „Wehr“), der in unserer Zeit jedoch sowohl unerwünscht als auch nicht aktuell ist.vorosvari-ujsag-2017-04-00070

Auf diese Weise besitzt die offizielle Hymne der Ungarndeutschen nur eine Strophe, in der die Einigkeit und positive Werte der Volksgruppe beschworen werden. Dass in ihr nur die männlichen Mitglieder des Ungarndeutschtums angesprochen werden („Brüder“, „Söhne“, „Väter“), hängt mit der Entstehungszeit des Textes zusammen, denn damals hatten Frauen noch nicht die Möglichkeit, sich politisch selbständig zu betätigen und zu artikulieren, sondern man wollte sie in jener Zeit in der Küche und bei der Arbeit sehen. Sicherlich sprachen aber auch entgegen dieses Umstandes die historische Dimension und die Patina für den Text.

Zusammenfassend kann man also feststellen: Bei der Festlegung des Textes der offiziellen Hymne der Ungarndeutschen ist die Landesselbstverwaltung so umsichtig wie nur möglich vorgegangen.

Nachtrag:

Es scheint geradezu die Ironie der Geschichte zu sein, dass die Deutschen mit ihren Hymnen immer wieder Probleme bekommen. Der Text der 1949 komponierten Hymne der DDR wurde ab den 1970-er Jahren nicht mehr gesungen, kamen in ihm doch u.a. die Worte „Deutschland, einig Vaterland“ vor, was den politisch-ideologischen Zielsetzung der DDR-Führung nicht mehr entsprach.

Dr. Gábor Kerekes