XVII. évfolyam 8. szám - 2017. augusztus

Ein Nachmittag der Freude

Auftritt der Jugendgruppe des Deutsch-Amerikanischen Kulturzentrums der Donauschwaben aus Cleveland in Werischwar

Am 14. Juli 2017 kam es auf dem Hof der städtischen Bibliothek von Werischwar zu der auf den Plakaten und im Internet als „Ungarisch-amerikanischer Folklorenachmittag“ angekündigten Veranstaltung, die durch den sympathischen Auftritt der Gäste aus Cleveland für viele Anwesende aus dem Publikum ein Nachmittag wurde, an den sie sich noch lange Jahre sehr gerne zurückerinnern werden.

Der Verein der Cleveland Donauschwaben ist seit 1958 tätig und verfügt über etwa 800 Mitglieder, die in einer ganzen Reihe von Gruppen der Traditionspflege, ihren Interessen und Hobbys nachgehen können, wie etwa die Frauengruppe, die deutsche Sprachschule sowie z.B. die Vereine und Gruppen die sich Tennis, Kegeln, Golf bzw. Fußball – amerikanisch: „Soccer“ – widmen. Der Kontakt zwischen Cleveland und Werischwar besteht seit 25 Jahren, Joseph Wenczl leitete noch 1993 den ersten Besuch der Werischwarer in Cleveland in die Wege. Für den Auftritt heuer in Werischwar hat Anita Molnár-Breier die Voraussetzungen geschaffen, sie hat mit dem Titel „Freundschaft zwischen Cleveland und Werischwar“ einen Antrag gestellt, und aus der zugesprochenen Summe durch den Verband der deutschen Selbstverwaltungen in Nordungarn konnte der Besuch der Clevelander Deutschen bei uns vorbereitet werden.

Zunächst musizierte die Kapelle „Heimattöne“ etwa eine Viertelstunde, bis dann Anita Molnár-Breier von der Werischwarer Tanzgruppe einleitende Worte zur Veranstaltung sprach. Frau Margot Maurer, die Präsidentin des Donauschwäbischen Deutsch-Amerikanischen Kulturzentrums und Leiterin der Jugendgruppe aus Cleveland, bereitete die Zuschauer auf das Programm ihrer Schützlinge vor, und obwohl man im Nachhinein sagen muss, dass sie alles sehr richtig beschrieben und gesagt hat, muss man zugleich zugeben, dass man sich jenes unterhaltsame Programm vorher nicht hat vorstellen können, das man dann präsentiert bekam. Der Auftritt war im besten Sinne des Wortes professionell ausgedacht und vorbereitet worden. Die musikalische Grundlage stellte die mitgebrachte aufgezeichnete Musik dar, was natürlich den Tänzern die Sicherheit gab, bei jedem Auftritt exakt die gleiche musikalische Begleitung zu erhalten, um von dem Problem ganz zu schweigen, was der Transport einer ganzen Kapelle mit Instrumenten über den Ozean und über die Tournee hinweg bedeutet hätte, die die Gruppe über acht Stationen in Europa absolvierte, und die nach Karlsruhe, Albstadt, Würzburg, Crailsheim, Ulm und Salzburg sich in Werischwar fortsetzte, um dann schließlich in Taksony zu enden. Als siebente Station präsentierte der Auftritt der Clevelander ein nicht nur gut vorbereitetes, sondern inzwischen sicherlich auch durch die vorhergehenden Auftritte außerhalb ihres heimischen Milieus zusammengeschweißtes Ensemble, das souverän mit den Widrigkeiten von Wetter, Umwelt, Bühne und anderen Beschwernissen umgehen konnte.

Der Auftritt begann mit einem kurzen Einmarsch der Tänzer, der vom Publikum bereits mit Applaus quittiert wurde, worauf auf den Gesichtern der Jugendlichen ein natürliches Lächeln erschien, das im Laufe ihres aus drei Teilen bestehenden Auftritts immer wieder zu sehen war und deutlich nicht nur zeigte, mit welcher Lust sie ihr Programm darboten, sondern auch welch gute Stimmung, was für ein offensichtlicher Zusammenhalt zwischen ihnen besteht. Die Tänzer lächelten sich immer wieder an und diese Freude, dieser innere Frieden übertrug sich auch auf das Publikum. Ganz selten nur hat man das Glück, Zeuge einer innerhalb einer Gruppe bestehenden derart guten Chemie zu werden.

Fotó: Völgyi Hajnalka

Fotó: Völgyi Hajnalka

Das Programm der Jugendgruppe aus Cleveland bestand aus drei in sich abgeschlossenen Teilen. Zwischen den einzelnen Blöcken der Gäste aus den USA hatte zunächst die Gruppe aus Leinwar und in der anderen Pause die Werischwarer Erwachsenengruppe die Bühne für sich. Im ersten Teil des Programms der Jugendgruppe aus Cleveland, das den Titel „Trachtenprogramm“ trug, wurden ebenso wie im dritten Teil, dem „Dirndlprogramm“, traditionelle Varianten des auf deutscher Tradition fußenden Gruppentanzes vorgetragen. Die Choreographien waren nicht nur für die Zuschauer unterhaltend, sondern auch dramaturgisch aufgebaut, indem zum Ende beider Programmteile mit dem Heben der Tänzerinnen geradezu akrobatisches Geschick unter Beweis gestellt wurde. Die Kostüme der weiblichen Mitglieder des Ensembles waren eine gelungene Destillation aus den Traditionen der deutschen Trachten- und Dirndlkultur, während die auf ebensolcher Grundlage gestaltete, schwarz-weiß gehaltene und mit einem roten Tuch verzierte Kleidung der Jungs in diesen beiden Teilen identisch war.

Der mittlere Teil des Programms präsentierte mit Jitterbug, Rock‘n‘Roll, Twist sowie den Klängen aus verschiedenen Pop-Nummern wie u.a. von Michael Jackson und MC Hammer eine Zeitreise durch die amerikanische Tanzkultur der vergangenen etwa 130 Jahre. Das TracklistEnsemble war hier funktionell in Shorts und T-Shirts sowie Sportschuhe gekleidet und hatte offensichtlich großen Spaß auch zu Klängen tanzen zu können, die für ihr Alltagsleben und ihren Musikkonsum in erster Linie charakteristisch sein dürften. (Auch das ist übrigens einer der vielen Aspekte des Auftritts der Clevelander, die sich Volkstanzgruppen in Ungarn zumindest überlegen sollten: Ob es nicht einen Anreiz für viele – im Augenblick nur potentielle – Tänzer darstellen würde, sich einer Tanzgruppe anzuschließen, wenn dort auch die Möglichkeit eingeräumt werden würde, sich zumindest in einem gewissen Maße zu modernen Klängen zu bewegen…)

Ein weiterer Vorzug des Programms der Jugendgruppe aus Cleveland war, dass sowohl im ersten als auch im dritten Teil über die Bewegung, über den Tanz sowie Lieder hinaus auch das gesprochene Wort eine Rolle erhielt, wodurch der Auftritt noch abwechslungsreicher wurde. Diese Zitate, das Gesprochene brachte die Liebe und die Verbundenheit zur alten Heimat in Europa auf rührende Weise zum Ausdruck.

Was könnte man Schöneres über die Gäste aus Amerika sagen, als dass sie mit ihrem Auftreten auf und nach dem Programm abseits der Bühne sich als Botschafter ihrer Heimat im besten Sinne des Wortes erwiesen?

Unser herzlichster Dank gilt Frau Margot Maurer, weiterhin den Damen Maggie Bildstein, Emma Botsch, Nicole Egel, Ava Fabian, Kelly Klass, Maria Krist, Sabrina Gloeckler, Sasha Ruffus und Lanie Welker sowie den Herren Lucas Biondich, Tomas Botsch, Karl Helfrich, Jacob Klass, Erik Maurer, Stefan Maurer, R.J. Prucha und Curt Welker. Ferner den Tänzern aus Leinwar und Werischwar und den Mitarbeiterinnen der städtischen Bibliothek.

Es war ein Nachmittag, an den sich viele der Anwesenden noch lange erinnern werden, und manche für immer.

Márta Müller–Gábor Kerekes