XVII. évfolyam 2. szám - 2017. február

Vertrieben 
mit einem Bündel 
auf dem Rücken

Gedenkfeier in Werischwar zur 
Vertreibung der Ungarndeutschen

Am 19. Januar 2017 kamen im Kulturhaus von Werischwar all jene zusammen, die sich in gemeinsamer Runde an die schreckliche Tragödie des Ungarndeutschtums von 1946 erinnern wollten. Am gleichen Tag, dem 19. Januar jenes Jahres fuhr der erste Zugtransport mit Ungarndeutschen von Ungarn aus ab. Damit hatte die Vertreibung – oder wie es die ungarischen Behörden und später die Propaganda verlogen-bagatellisierend nannten: die Aussiedlung – ihren Anfang genommen. Sie sollte bis ins Jahr 1948 dauern und die Vertreibung von etwa 200.000 Ungarndeutschen zum Ergebnis haben. Schon am ersten Tag wurden tausend Menschen aus Wudersch (Budaörs) deportiert, und was sie an Hab und Gut zurücklassen mussten, wurde geraubt, ihre Heime geplündert und in ihre Häuser wurden Fremde einquartiert.

Werischwar, damals noch Dorf, gehörte zu den Siedlungen, die nicht von der Vertreibung betroffen waren, und es gehört bis auf den heutigen Tag noch zu den großen Rätseln der Ortsgeschichte, welchem Umstand dies zu verdanken war. Es gibt verschiedene Vermutungen (z.B. dass wegen des damals betriebenen Bergbaus aus wirtschaftlichen Gründen nicht in die Bevölkerungsstruktur eingegriffen werden sollte, denn unter den Bergleuten gab es eine hohe Zahl an Deutschen, die von der Vertreibung hätten betroffen sein können, oder aber nach einem anderen Gerücht soll es persönliche Kontakte zur hohen Politik gegeben haben, die das Dorf vor der Vertreibung schützen halfen), welchem Umstand das in dieser Frage glückliche Schicksal Werischwars zu verdanken ist, doch Gewissheit gibt es bisher nicht. Vielleicht wird sich dieses Geheimnis eines Tages lösen lassen.

Im Dezember des Jahres 2012 fasste das ungarische Parlament mit einem sehr seltenen Abstimmungsergebnis, nämlich einstimmig, über alle Parteigrenzen hinweg, den Beschluss, den 19. Januar zum Gedenktag der Vertreibung der Ungarndeutschen zu erklären. Obwohl Werischwar von der Vertreibung verschont geblieben ist, initiierte Bürgermeister István Gromon die neue Werischwarer Tradition, jedes Jahr am Gedenktag der Vertreibung sich all jener zu erinnern, die einst nicht das Glück der Werischwarer hatten. Die bisherigen Gedenkfeiern legten einen besonderen Akzent darauf, die damaligen Ereignisse aus wissenschaftlicher und politischer Sicht darzulegen. 2014 sprach der Historiker Dr. Dezső Szabó über die Fakten und die kursierenden vielen Fehlinformationen über die Vertreibung, 2015 gab der Geschichtslehrer Rudolf Weiss aus der Woiwodina (Vajdaság) einen Einblick, wie im südslawischen Raum in jenen Jahren mit den dortigen Deutschen umgegangen worden war, und 2016 gab die Historikerin Dr. Réka Marchut einen Überblick darüber, wie sich die Vertreibung in den Siedlungen um Budapest bis 1948 auswirkte. Das Konzept der diesjährigen Gedenkfeier war nun insofern ein anderes, dass heuer keine Fachleute eingeladen worden sind, um über das Thema zu sprechen, sondern vielmehr sollte die Vertreibung auf konkret-fassbare Weise den Anwesenden vor Augen geführt werden.

Begleitet vom Spiel der Ungarndeutschen Blaskapelle Werischwar sammelte sich das Publikum im Theatersaal des Kulturhauses. Als erster Programmpunkt der Gedenkveranstaltung folgte das gemeinsame Singen der Hymne der Ungarndeutschen. Während die Blaskapelle die musikalische Begleitung lieferte, wurde der Text der Hymne als Hilfestellung für eventuell hinsichtlich ihres Wortlautes Unsichere an die Leinwand projiziert.

Bürgermeister István Gromon begrüßte hiernach die Anwesenden im Namen der Selbstverwaltung der Stadt und erinnerte daran, dass der Gedenktag der Verschleppung der Ungarndeutschen 2012 vom ungarischen Parlament beschlossen worden ist, „damit man sich auf gebührende Weise in allen Siedlungen auf die auf der unrechtmäßigen Grundlage der Anklage und des Prinzips der Kollektivschuld erfolgten Verschleppung der ungarndeutschen Gemeinschaft gedenken könne, die der Verfolgung ausgesetzt war und ihrer Güter beraubt wurde“. Den Ablauf der Gedenkfeier skizzierend brachte er abschließend seine Hoffnung zum Ausdruck, dass die Veranstaltung zu den Kenntnissen der jüngeren Generationen über die tragischen Ereignisse beitragen möge, „damit der 1946-er Vertreibung ähnliche Schrecken sich nie mehr, weder mit uns noch mit anderen wiederholen können“. Die Feier eröffnend übergab der Bürgermeister das Wort der Direktorin des deutschsprachigen Friedrich-Schiller-Gynmansiums von Werischwar, Frau Erika Bogár Szabó, die durch das weitere Programm leitete.

Zunächst trugen Schüler der Klasse 8c des Gymnasiums Passagen aus einem der eindrucksvollsten Gedichte der ungarndeutschen Literatur, der „Ungarndeutschen Ballade“ von Robert Becker vor, in dem ein komprimierter Überblick über das Schicksal des Ungarndeutschtums bis auf den heutigen Tag gegeben wird.

Frau Bogár Szabó machte dann mit den grundlegenden Fakten der Vertreibung bekannt und es folgte eine historische Filmaufnahme, auf der eine alte Frau ein selbst verfasstes Lied vortrug, welches sie in der Nacht vor der ihr angekündigten Vertreibung verfasst hatte, die dann ausblieb. Das Lied ist in schlichten Worten ein herzergreifendes Zeugnis der Heimatliebe und des Gottvertrauens („Wir müssen fort von unserer Heimat / Und müssen geh‘n ins fremde Land, / Dort haben wir ja keine Heimat / Uns‘re Heimat ist in Ungarnland.“)

Als ein weiterer Punkt, der die historischen Ereignisse von damals auf der menschlichen Ebene nachempfindbar machte, folgten Ausschnitte aus den Tagebüchern der vertriebenen Maria Winkler aus Wudersch, die zwei Schüler vortrugen und die Anwesenden mit sichtlicher Erschütterung aufnahmen.

Ein zentraler Moment der Feier war das Öffnen des so genannten „Wanderbündels“. Jedem Ungarndeutschen sind die berüchtigten Worte von Imre Kovács, dem einstigen Politiker der Nationalen Bauernpartei, geläufig, mit denen er, zu der Vertreibung gegen die Ungarndeutschen hetzte: „Die Schwaben verdienen keine Gnade! Sie sollen gehen, wie sie gekommen sind, mit einem Bündel auf ihrem Rücken!“ Hierauf verweisend hat die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen (LdU) die Aktion „Wanderbündel“ gestartet, deren Sinn darin bestand, Geschichte unmittelbar zu veranschaulichen. In Schomberg (Somberek) in der Branau stellten drei Zeitzeugen ein Bündel mit Originalgegenständen aus dem dortigen Heimatmuseum zusammen, das durchaus ein Bündel in den Tagen der Vertreibung hätte sein können, denn es enthielt die typischen Gegenstände, die man damals als Vertriebener mitzunehmen pflegte. Das Bündel machte vom Valeria Koch Bildungszentrum in Fünfkirchen aus seinen Weg über 30 Nationalitätenschulen Ungarns, die an der Wanderbündelaktion teilgenommen haben, um dann hier in Werischwar am Endpunkt seiner Reise anzukommen. Während eine Schülerin und ein Schüler das Bündel öffneten und die darin enthaltenen Gegenstände dem Publikum präsentierten, kommentierte Szabolcs Zsámboki sachkundig Zweck und Funktion dieser Objekte aus Sicht der Vertriebenen.

Es folgte hiernach die szenisch bearbeitete Fassung des Prosawerks „Das Zweiglein“ von Claus Klotz, das ein melancholisches Bild vom jahrhundertelangen Schicksal und nach dem Zweiten Weltkrieg beginnenden Verschwinden der Ungarndeutschen zeichnet, vorgetragen durch die Schüler der Klasse 11 c.

Zum Abschluss sangen die Anwesenden das Lied „Nach meiner Heimat zieht’s mich wieder“, wobei sie gesanglich vom Heimatwerk und mit der Harmonika durch Márk Szép und Martin Milbich unterstützt wurden.

Die heurige Gedenkfeier zum Gedenktag der Vertreibung der Ungarndeutschen war nach drei Jahren ähnlich aufgebauter, wenn auch sehr interessanter Programme durch das veränderte Konzept eine gelungene Veranstaltung, die die historischen Ereignisse auch all jenen nahe bringen konnte, für die wissenschaftliche Vorträge einen nachvollziehbaren Zugang zu historischen Ereignissen erschweren. Es hat sich gezeigt, wie unterschiedliche Herangehensweisen und Präsentationsformen eines historischen Themas durchaus alle ihre Existenzberechtigung besitzen. Im Grunde besteht die Kunst dessen, das Interesse für ein breiteres Publikum aufrechtzuerhalten, darin, den Gedenktag möglichst abwechslungsreich zu gestalten, und dabei – so wie bisher auch immer – nicht die Würde zu verlieren, die dem Thema zukommt.

Dr. Gábor Kerekes

Január 19-én a Művészetek Házában került sor a magyarországi németek 1946-os kiűzetésének idei emléknapjára. Az elűzetés 1946-tól 1948-ig tartott, általa kb. 200 000 magyar sváb vált földönfutóvá és hontalanná. Vörösvár német lakossága megmenekült e tragédia elől, ami azokban az években szinte csodával volt egyenértékű. A kiűzetés napja 2012 óta képzi részét a nemzeti emléknapoknak. Gromon István polgármester kezdeményezésére a kiűzetés napjáról Vörösváron is minden évben városi ünnepség keretében emlékezhetünk meg. A cikk az idei ünnepség mozzanataiba enged betekintést, és részletesen kitér arra, hogy a megemlékezők – a polgármester úr, a Schiller gimnázium diákjai és igazgató asszonya, Zsámboki Szabolcs, a nemzetiségi fúvószenekar, valamint Szép Márk és Milbich Martin – milyen művészi eszközökkel mutatták be különböző szempontokból e sorscsapást az eseményen résztvevőknek.