XVII. évfolyam 3. szám - 2017. március

Gemeinsam wie eine Großfamilie

Faschingsbegräbnis 2017 im Haus der Künste in Werischwar

Zu den alten Sitten gehört im deutschsprachigen Raum und so auch bei den Ungarndeutschen das so genannte Faschingsbegräbnis, mit dem der Fasching bzw. Karneval zu Ende geht und die Fastenzeit eingeläutet wird. Gemeinsam ist in dieser Tradition, dass in der Nacht vor Aschermittwoch der Fasching zum Abschluss einer ausgelassenen, fröhlichen, nicht selten freizügigen Feier verabschiedet wird. An manchen Orten wird eine den Fasching symbolisierende Strohpuppe verbrannt, andernorts wird sie zu Grabe getragen. In Werischwar existiert diese Tradition in der Form des Begräbnisses von Fasching Toni, den eine Puppe symbolisierte.

Die Deutsche Nationalitäten­selbstverwaltung von Werischwar lud am 28. Februar 2017 in den Theatersaal im Haus der Künste zu dem traditionellen und lustigen Faschingsbegräbnis ein. Im Vorfeld war nur soviel bekannt, dass die „Bergländer Buam“ spielen würden, ansonsten sollten sich die Besucher von dem Programm überraschen lassen. Da das Faschingsbegräbnis schon seit langen Jahren in dieser Form von der Deutschen Nationalitätenselbstverwaltung veranstaltet wird, war es für die zahlreichen Besucher der Veranstaltung klar, dass ihnen – so wie in all den Jahren zuvor – erneut Lustiges und Unterhaltendes geboten würde. Die Besucher erschienen in derart großer Zahl, dass nicht alle in den Theatersaal hineinpassten, und einige von ihnen – gezwungenermaßen – im Foyer sich mit den Dienstleistungen des Buffets trösten mussten.

Der Abend startete mit dem Programm der Werischwarer Blasmusikkapelle, die im Laufe ihres 45 Minuten umfassenden Auftritts Gelegenheit hatte, dem dankbaren Publikum verschiedenste Register ihres musikalischen Könnens vorzustellen. Die gute Stimmung zeigte sich auch darin, wie vor der Bühne auf dem Tanzparkett eine ganze Reihe von Kindern ausgelassen tanzten, herumsprangen und hin- und herliefen.

Die Tanzgruppe Margarete und ihre Rentner präsentierten danach einen ironisch-modern anmutenden Auftritt, zu dem sich die Damen in ihren karierten Hemden offensichtlich von der amerikanischen Countrytanztradition und von solchen Videoclips wie Madonnas „Don‘t Tell Me“ haben inspirieren lassen.

Es folgte der sorgfältig durchkomponierte Auftritt der Kindergärtnerinnen des Ligeti Cseperedő Kindergartens, in deren Verlauf sie eine Art Hexensabbat nachstellten und mit viel Tanz und beschwingter Musik (u.a. Rock‘n‘Roll und Twist) eine Geschichte erzählten, in der ein Zaubertrank gebraut wurde, mit dessen Hilfe am Ende ein schon reiferer Herr aus dem Publikum zu einem kleinen Jungen verjüngt wurde – da aber die Gattin auf die ursprüngliche Gestalt ihres Ehemannes bestand, musste er zurückverwandelt werden.

Hiernach unterhielt die Kindertanzgruppe die Anwesenden mit einer anspruchsvollen Choreographie. Für manch einen Zuschauer mag es auch eine Weile gedauert haben, bis er erkennen konnte: Die Rollen der Mädchen und der Burschen waren getauscht worden. In den männlichen Kleidern tanzten – mit aufgemalten Schnurrbärten – die Mädchen, während die Jungs in den Mädchenkleidern üppige Perücken trugen.

In der althergebrachten Tradition des etwas deftigen Humors der Faschingszeit stand die von den Damen des Deutschen Nationalitätengemischtchors zu Heintjes Schlager „Oma so lieb“ aus dem Jahre 1968 vorgetragene Szene, in der das morgendliche Waschen in einem Altersheim mit all seinen Beschränkungen (z.B. nur ein Wachlappen für alle) dargestellt wurde.

Deutlich traditioneller fiel die Darbietung der Rentner der Nostalgie Tanzgruppe aus, die – von István Baksa auf der Harmonika begleitet – einige Lieder vortrugen, wobei dem närrischen Anlass mit einem Gesang Tribut gezollt wurde, in dem es neben pikanteren Details auch um die „haarigen Beine“ einer Dame ging.

Die Kindergärtnerinnen des Gradus Kindergartens nutzten die Möglichkeiten der Hell-Dunkel-Effekte und trugen mithilfe von Schwarzlicht – u.a. zu Klängen von Stayin‘ Alive, Highway to Hell, der Muppets Show und I Feel Good – einen Gruppentanz von weißen Phantasiefiguren auf, die sie an ihrer schwarzen Kleidung, durch die sie für die Zuschauer unsichtbar blieben, befestigt waren.

Einer humorvollen, von Mitgliedern des Heimatwerks vorgetragenen Szene, in der sie ein aus Aufziehpuppen bestehendes kleines Orchester mimten, folgte die musikalische Darbietung der Bergländer Buam und schließlich das bereits erwähnte Faschingsbegräbnis, das der Höhepunkt der Veranstaltung war und als lustig-ironische Zeremonie, u.a. mit geistlicher Verabschiedung des Verblichenen Fasching Toni vom Werischwarer Heimatwerk offensichtlich zum großen Vergnügen des Publikums gestaltet wurde.

Das Faschingsbegräbnis 2017 war in Werischwar eine mehr als nur gelungene Veranstaltung, in der nicht nur die unterhaltsamen Darbietungen betont werden sollten, sondern auch der Umstand, wie der gesamte Querschnitt der Bevölkerung, von Kleinkindern bis zu den Urgroßeltern vertreten war und gemeinsam in guter Laune und fröhlich den Abend verbrachten, so, wie man sich gemeinhin eine Großfamilie der „guten alten Zeit“ vorstellt.

Ibolya Sax – Dr. Gábor Kerekes

Fotók: Preszl Gábor